Montag, 26. November 2012
Neue Liebe,neues Glück
"Und Du hättest den Mut, etwas zu verändern?" "Nicht heute, nicht morgen, doch wer weiß? Ich nehme es oder nähme es als perspektivische Eventualität in Kauf." "Du meinst also, die Liebeshypothese ist demnach -wie Du sagt - ve-ri-fi-ziert worden?" "Wenn ich mich mit Andeutungen und Anspielungen begnüge, ja! Nein, ehrlich, ich bin davon überzeugt, dass wir uns lieben, ohne jemals ein gegenseitiges Geständnis abgegeben zu haben; aber vielleicht ist genau das Fehlen jener Zauberformel ein untrügliches Indiz für die wahren Gefühle. Wenn man ständig diesen Satz wie einen heißen Feuerkranz mit allen zu Gebote stehenden Mitteln umgeht, spricht das etwa nicht für eine emotionale Voreingenommenheit?" "Kann man unter Umständen so deuten!"...
Donnerstag, 22. November 2012
Nun folgt der kleinen Tragödie zweiter Teil
Am Ende des ersten Bandes "Der parzellierte Mann" hat Beatrice die Bekanntschaft eines Mannes gemacht, der, wie sie glaubt, die große Liebe in ihr entfacht hat, denn dieser ist im Stande mehrer Parzellen abzudecken: er spricht sie intellektuell und sexuell an, verfügt über wichtige gesellschaftliche Kontakte, und ihre Beziehung wird bald Züge einer Seelenvewandtschaft tragen.
Im zweiten Band der Trilogie, die den Titel trägt "Der zusammengefügte Mann", wird es also, unter anderem, um die Erprobung dieser neuen Liebe gehen. Aber auch um Kunst und Literatur, um Selbstverwirklichung und Selbstbefreiung...
Im zweiten Band der Trilogie, die den Titel trägt "Der zusammengefügte Mann", wird es also, unter anderem, um die Erprobung dieser neuen Liebe gehen. Aber auch um Kunst und Literatur, um Selbstverwirklichung und Selbstbefreiung...
Montag, 19. November 2012
Über die Liebe, Reflexionen, Zitate...
Was lässt sich alles über die Liebe sagen? Sie ist das meist besungene Thema, nicht das am schlechtesten Recherchierte, doch ergaben alle Versuche, sie begrifflich zu fassen, immer wieder wenig zufrieden stellende Ergbnisse. Die Liebe ist ein Mysterium. das wir allerdings gerne in unseren Alltag integrieren würden.
Mit anderen Worten: Wenn Freundschaft das Manna ist und Leidenschaft der Nektar, dann ist die Liebe der heilige Gral. So wird sie nicht jedem zuteil, und wir müssen unterscheiden zwischen dem im Leben häufig auftretenden erfrischenden Verliebtsein und dieser gewaltigen Urkraft, die wir zugleich befürchten und ersehnen..
Was meint Ihr dazu?
Mit anderen Worten: Wenn Freundschaft das Manna ist und Leidenschaft der Nektar, dann ist die Liebe der heilige Gral. So wird sie nicht jedem zuteil, und wir müssen unterscheiden zwischen dem im Leben häufig auftretenden erfrischenden Verliebtsein und dieser gewaltigen Urkraft, die wir zugleich befürchten und ersehnen..
Was meint Ihr dazu?
Donnerstag, 15. November 2012
Der Kuss, Schluss
..."Und wenn Du der Eroberer bist?", fragt Fiona. "Dann läuft alles anders", sinniert ihre Freundin. "ich glaube, in diesem Jahrhundert läuft sowieso alles anders herum. Frauen suchen, jagen, nehmen sich, was man ihnen nicht vorenthält, und sind dennoch dabei äußerst wählerisch, das ist die ganze Tragik oder tragische Ironie. Sie wollen erobern und sehnen sich doch nach dem Erobert werden.
Du hast es doch eigentlilch gut mit Deinen zwei, drei Männern!" Ja, schon lange versucht Beatrice durch zwei nahezu gleichwertige Liebhaber ein endgültiges Abgleiten in die emotionale Abhängigkeit zu vermeiden. Als sie drauf und dran war, sich in F.H. zu verlieben, ihren "hanseatischen Apoll" mit dionysischem Unterbau - ein emotionaler Abrutscher, den sich der Begehrte übrigens heftigst verbat - , als also Gefühle sich zu artikulieren schienen, da fing sie an, den Demoskopen Olaf-Alexander etwas näher kennen zu lernen, es entspannen sich zumindest erste zarte Bande, es gedieh eine unauffällig im Schatten größter Diskretion aufkeimende Pflanze.
Die Unterscheidung zwischen Sex und Liebe? Aber bitte!
Du hast es doch eigentlilch gut mit Deinen zwei, drei Männern!" Ja, schon lange versucht Beatrice durch zwei nahezu gleichwertige Liebhaber ein endgültiges Abgleiten in die emotionale Abhängigkeit zu vermeiden. Als sie drauf und dran war, sich in F.H. zu verlieben, ihren "hanseatischen Apoll" mit dionysischem Unterbau - ein emotionaler Abrutscher, den sich der Begehrte übrigens heftigst verbat - , als also Gefühle sich zu artikulieren schienen, da fing sie an, den Demoskopen Olaf-Alexander etwas näher kennen zu lernen, es entspannen sich zumindest erste zarte Bande, es gedieh eine unauffällig im Schatten größter Diskretion aufkeimende Pflanze.
Die Unterscheidung zwischen Sex und Liebe? Aber bitte!
Montag, 12. November 2012
Der Kuss, Fortsetzung
...Doch beim Küssen sind wir gleichberechtigt, mit ähnlichen Organen ausgestattet. Deswegen küsse ich nur gerne, wenn es absolut bereitwillig geschieht, bereit, Lliebe hinein fließen zu lassen. Ohne den potentiellen Hintergrund der Liebe entbehren Küsse ihrer Berechtigung. Sie mögen für Männer das Entrée sein, die Eröffnung zu einem Festmahl, für uns ist es das distinktive Merkmal." Und später:" Wir lassen den Mann hinein, geben den zaghaften Widerstand auf, verschmelzen mit dem zärtlichen Aggressor und machen somit unser Erobert werden glaubhaft. Die völlite Hingabe ist die Legitimierung der sexuellen Überwindung; diese wird dadurch plausibel, ja sinnvoll." ...
Donnerstag, 8. November 2012
"Der Kuss"
Tage später: Tratschrunde mit Fiona. "Warum hängen wir Frauen immer am Tropf des Herzens?" fragt Beatrice. "Warum gelingt es so schlecht, Sex und Gefühle zu trennen? Warum schleicht sich die Liebe oder Liebeserwartung immer ein, sobald wir ein paar Mal mit einem Mann geschlafen haben, und zwar gut, sehr gut!" Ein zäher Nachthimmel hat sich der Fenster bemächtigt, die beiden Freundinnen frösteln auf dem Sofa vor der Fensterfront, die Adventsdekoration zeugt von vergangenem Zauber. Ein paar Kerzen streuen irrlichternde Punkte in die Dunkelheit. "Weil wir nicht anders können", wirft Fiona ein, "weil Hingabe Unbedingtheit erfordert, weil wir uns nicht anders öffnen können. Zumindest geht es mir so."
Der Rauch ihrer Zigarette schlängelt sich in die Abendluft. "Ja, und das Küssen", führt Beatrice weiter aus, "das Küssen ist der Indikator, ich gebe mein Intimstes preis, wenn ich ihm mein Gesicht hinhalte und ihm erlaube, die Mundhöhle zu penetrieren, das eigentliche Kommunikationsorgan, das überhaupt jegliche Liebe erst einleitet und offenbart, den Schrein der Sprache...
Der Rauch ihrer Zigarette schlängelt sich in die Abendluft. "Ja, und das Küssen", führt Beatrice weiter aus, "das Küssen ist der Indikator, ich gebe mein Intimstes preis, wenn ich ihm mein Gesicht hinhalte und ihm erlaube, die Mundhöhle zu penetrieren, das eigentliche Kommunikationsorgan, das überhaupt jegliche Liebe erst einleitet und offenbart, den Schrein der Sprache...
Montag, 5. November 2012
Liebesszene mit FH, Schluss
...Er dringt abermals in sie ein und er schaukelt sie auf den nächsten Gipfel. Sie verlassen die Ebene, die brotfarbenen, klatschmohnrot gesprenkelten Hügel der Toskana, hören das Glockenspiel der Geschlechtertürme von San Gimignano, wie deren Gesang anschwillt, um bald darauf in der Ferne zu verklingen.
Er dringt immer wieder in sie ein, kleine Pausen einlegend, die ihre Lust ins Ungeahnte steigern. Sobald sie wieder von ihm Besitz ergriffen hat, ergibt sie sich diesem selig machenden Rhythmus, der gleichzeitig lockt, neckt, provoziert und erfüllend ist. Sie ist ihm auf der Spur, dem alles auslöschenden Höhepunkt, es sind nur noch wenige Stufen lustvoller Eskalation zu erkllimmen. Schließlich entlädt sich der euphorische Aufgang in einem kleinen Leuchtfeuer, das wie ein gemäßigtes Feuerwerk begütigend auf sie niederprasselt. Die Körper lösen sich voneinander, bevor der Alltag zum Aufbruch mahnt.
Er dringt immer wieder in sie ein, kleine Pausen einlegend, die ihre Lust ins Ungeahnte steigern. Sobald sie wieder von ihm Besitz ergriffen hat, ergibt sie sich diesem selig machenden Rhythmus, der gleichzeitig lockt, neckt, provoziert und erfüllend ist. Sie ist ihm auf der Spur, dem alles auslöschenden Höhepunkt, es sind nur noch wenige Stufen lustvoller Eskalation zu erkllimmen. Schließlich entlädt sich der euphorische Aufgang in einem kleinen Leuchtfeuer, das wie ein gemäßigtes Feuerwerk begütigend auf sie niederprasselt. Die Körper lösen sich voneinander, bevor der Alltag zum Aufbruch mahnt.
Donnerstag, 25. Oktober 2012
Liebesszene mit FH, Fortsetzung
...Er wird sie an allem teilhaben lassen, an seinen geschäftlichen Erfolgen, privaten Malaisen, an seinen Neigungen und Vorlieben, sei es häufiger Spontansex oder die Liebe zum Bel Canto. Überhaupt Italien, die Sprache, die er noch mühsam erlernt, die Küche, die Malerei, die Musik. Sie fügt ihre Kenntnisse über die Cinecittá , den italienischen Film und die italienische Literatur ("Umberto Ecco gelesen? Unnachahmlich sein erstes Werk "Il nome della rosa") hinzu und vervollständigt somit das teutonische Begeisterungspanorama. Doch den Italienischkurs besucht er mit seiner Frau und das Land, wo die Zitronen blühen und die Orangen glühen, wird er lediglich mit seiner Angetrauten aufsuchen, Ihr bleiben Reiseberichte, Impressionen aus zweiter Hand, das geduldige, wenn auch nicht uninteressierte Zuhören. Die anderen führen das Stellvertrterleben, und sie hat stellvertretenden Sex. Oder ist es umgekehrt?
Er dringt abermals in sie ein...
Er dringt abermals in sie ein...
Montag, 22. Oktober 2012
Eine Liebeszene...
Beatrices großes Haus bleibt unberührt. Sie halten sich im Kellergästezimmer auf, das selten aufgesucht wird. In den Niederungen der Triebe, denkt Beatrice. Nach einem längeren, ihn entlastenden Gespräch, in dem er alle Alltagssorgen beiseite schieben kann, will er in sie eindringen, nachdem sein Mund sich aus ihrem Mund die Erlaubnis dafür geholt hat. Sie spürt, wie hart und fest er ist und gleichzeitig so geschmeidig, als rutschte er ganz von selbst in die ihn empfangende Höhle. Sie hat ihn in ihren Körper eingelassen, und er hat sie - erzähltechnisch - in sein Leben eingelassen...
Donnerstag, 11. Oktober 2012
Der Banker, Ende
...Nach einundhalb Stunden ist die Tour de Force überstanden. Er hat nicht aufgehört zu grinsen und teilt ihr kurz und bündig sein aufrichtiges Interesse mit, seine Hoffnung, sie möge sisch wieder bei ihm melden und sich für ihn entscheiden, er könne sich die Konkurrenz jedoch unschwer vorstellen. Beatrice nickt, und ihr Gesicht nimmt probeweise den Ausdruck einer unbestechlichen, sich in ihr Schweigen hüllenden Pythia an. Bald ist man entsschwunden, aus dem Restaurant, aus dem Windschatten dieses an massiver Einsilbigkeit nicht zu überbietenden Hünen, aus einem unsäglichen Kapitel des Experiments "Gehen wir Männer besichtigen".
Montag, 8. Oktober 2012
Kandidat Nr.4: Der Banker
Der Banker: Was kann man von einem solchen erwarten? Banker bedienen das durch sie angebotene, geschürte Klischee, bestätigen, verfestigen es. Banker, und nicht "Banquiers", diese verfügten in den letzten zwei Jahrhunderten über weltmännisches Flair, Banker also gelten als langweilig, temperamentarm und unerotisch und schicken sich keineswegs an, diese vorgefasste Meinung zu bekämpfen.
Ganze 1,99 Meter sitzen Beatrice gegenüber an einem Terrassentisch. Wenigstens lädt er sich gleich eingangs zum Essen ein. das dauergrinsen scheint durch die Halbglatze überhöht. Ein Schnurrbartgrinsen unter einer Brille. Makellos der Anzug, makellos die Manieren, bis hin zur Selbstauslöschung. Dann ist auch das Gespräch betroffen: Nach einigen klärenden Einagangsfloskeln, sozusagen die Bekanntgabe ehebrecherischser Präliminarien, versinkt Kandidat Nr.4 in beharrliches Abwarten, verlegt sich auf visuelles und akustischses Abtasten, das taktile bleibt ihm ja noch verwehrt. Beatrice fühlt scih zum Maitre de Plaisir auserkoren. Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, um die Zeit zu füllen, die sich zwischen ihnen breit macht, wie ein ungebetener Gast, erzählt sie aus ihrem Leben, von ihren Neigungen, Interessen und beruflichen Erfahrungen, erzählt so schnell, wie ihr die Gedanken kommen, um diese akute Trostlosigkeit zu verstofflichen...
Ganze 1,99 Meter sitzen Beatrice gegenüber an einem Terrassentisch. Wenigstens lädt er sich gleich eingangs zum Essen ein. das dauergrinsen scheint durch die Halbglatze überhöht. Ein Schnurrbartgrinsen unter einer Brille. Makellos der Anzug, makellos die Manieren, bis hin zur Selbstauslöschung. Dann ist auch das Gespräch betroffen: Nach einigen klärenden Einagangsfloskeln, sozusagen die Bekanntgabe ehebrecherischser Präliminarien, versinkt Kandidat Nr.4 in beharrliches Abwarten, verlegt sich auf visuelles und akustischses Abtasten, das taktile bleibt ihm ja noch verwehrt. Beatrice fühlt scih zum Maitre de Plaisir auserkoren. Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, um die Zeit zu füllen, die sich zwischen ihnen breit macht, wie ein ungebetener Gast, erzählt sie aus ihrem Leben, von ihren Neigungen, Interessen und beruflichen Erfahrungen, erzählt so schnell, wie ihr die Gedanken kommen, um diese akute Trostlosigkeit zu verstofflichen...
Montag, 1. Oktober 2012
Kandidat Nr.3,Fortsetzung
...Der Schmetterling wird sich dann schnellstens empfehlen, eine Dreiviertelstunde mag den Regeln des Anstandes entsprechend ausreichend sein, einen weiteren Termin vorschieben und versuchen, diese Episode als abgehakt zu betrachten, als auszulöschenden Eindruck, als weitere Erfahrung im Kapitel "nicht zu gebrauchen", da nutzen die zahlreichen Auslandsaufenthalte wenig, die Erkundung des irdischen Antlitzes mit all seinen Krusten, Profilen und Strukturen, die ideelle Eroberung afrikanischer Länder, das Hineinschlüpfen in fremde ethnologische Gewänder, die Lebenserfahrung eines rüstigen Witwers und Vaters dreier Kinder, allesamt Akademiker. Da springen lediglich das durch biographische Einschnitte zerklüftete Gesicht, der magere, an einen gerupften Puter gemahnende Hals, der lose in einem Hemdkragen steckt, die grotesk abstehenden und irrwitzig zugespitzen Ohren ins Auge, mit einer Vehemenz, die jeglilchem ästhestischen Empfindungsvermögen zur schallenden Ohrfeige wird. Da bleibt nur noch Flucht, Flucht, um den eigenen Visus zu schützen, das Erinnerungsvermögen zu verschonen, um sich in das nächste Kapitel zu stürzen, kopfüber, doch nicht kopflos.
"Männermuseum", Kandidat Nr.3, Fortsetzung
...Der Schmetterling wird sich dann schnellstens empfehlen, eine Dreiviertelstunde mag den Regeln des Anstandes entsprechend ausreichend sein, einen weiteren Termin vorschieben und versuchen diese Episode als abgehakt zu betrachten, als auszulöschenden Eindruck, als weitere Erfahrung im Kapitel "nicht zu gebrauchen", da nutzen die zahlreichen Auslandsaufenthalte wenig, die Erkundung des irdischen Antlitzes, mit allen seine Krusten, Profilen und Stukturen, die ideelle Eroberung afrikanischer Länder, das Hineinschlüpfen in fremde ethnologische Gewänder, die Le
Donnerstag, 27. September 2012
Kandidat Nr.3, Fortsetzung
Die Überraschung steuert geradewegs auf das kleine Café zu, das sie zum Treffpunkt zweier, wie sich bald herausstellen wird, nicht zu vereinbarender Existenzen auserkoren haben. Beatrice sitzt bereits , und einem ersten Impuls gehorchend, möchte sie sich erheben und Hals über Kopf die Flucht ergreifen, denn das gerade anvisierte Exempel der Gattung Mann entpuppt sich zweifellos - zumindest rein optisch - als Kreuzung zwischsen Dracula und einem großohrigen Auerhahn. "Hilfe!" wird Beatrice später auf der Damentoilette ihrer Freundin Simone simsen, "ich bin einem paläontologischen Zombie begegnet!" Simone zurück: "Du armes Mäuschen, kann ich mir gut vorstellen: ein Zombie und ein Schmetterling!"...
Montag, 24. September 2012
Die Kandidaten, Fortsetzung
...Drittens: Der Geologe preist sich als zierlich und gut erhalten an, zudem scheint er polyglott zu sein. Ein Köder, der sich als wenig substanziell erweisen wird. Abermals die Mainmetropole, die Anonymität der Großstadt, die gleichzeitig einen Menschen schluckt und Persönlichkeiten gebiert, Beatrice liebt es, sich vom Strom der Passanten und Flaneure treiben zu lassen, sie hebt sich ab vom Mainstream, das spiegelt ihr die Vielfalt der Blicke wider, der kurzen, hastigen, sehnsüchtigen, überraschten. Sie trägt einen langen, schwarz-bunten Sommerrock, auf den Blumen diagonal gestreut sind, hohe Sandalen und ein körperbetontes, schwarzes T-shirt, nicht irgend eines, das beste, das sie besitzt, das schmeichelhafteste, das die Körperlinien betont, sich diesem Körper anschmiegt, als wollte es nie mehr von ihr weichen, dieses weiche, elastische Kleidungsstück, das ihren Oberkörper sanft, aber nachdrücklich modelliert. Sie schlendert, schwebt fast, fast könnte man meinen, sie tänzelt im hellen Nachmittagslicht. Ertönt eine Musik in der Fußgängerzone, so fangen ihre Hüften fast unmerkllich an sich zu bewegen, in Erwartung kommender Highlights. Das Nicht-wissen-können, Nicht-erahnen-können nahender Ereignisse birgt einen eigentümlichen Reiz in sich, denn in der Überraschung entfaltet das Mögliche seinen poetischen Reiz.
Die Überraschung steuert geradewegs auf das kleine Café zu,...
Die Überraschung steuert geradewegs auf das kleine Café zu,...
Donnerstag, 20. September 2012
Die Kandidaten
Hier werden nun die Kandidaten aus dem "Männermuseum" vorgestellt:
Fortsetzung aus dem Roman "Der parzellierte Mann":
...Erstens: Den Kunsthändler und Antiquar, der, nebst unverrückbarer Gattin, eine Gespielin zwecks Libidoauffrischung sich wünscht, den Kunsthändler mäht jedoch eine urplötzliche Darminfektion nieder, so dass dieser Termin., beziehungsweise, dieser Kandidat ersatzlos gestrichen werden muss.
Zweitens: Der Unternehmensberater, der sein optisches Alter von 54 auf 44 herunterdrückte und sich dabei einer gnadenlosen Selbstüberschätzung schuldig machte, der absichtsvoll gediegene Mittfünfziger entpuppt sich als männliche Glucke (drei Kinder, "die noch sehr zu ihrem Vater halten" und dezidierte Sportkanonen sind) und als temporär mittellos, da man ihn just vor dem ersten galanten Treffen seiner Brieftasche beraubt hat. Peinliche Entgleisung oder wohl kalkulierter Rückzug, falls die Dame aus der Anzeige sich als Flop erweist, und man somit wenigstens keine Ausgaben hätte? "Sie können sich nicht vorstellen, was ich schon alles erlebt habe: Damen, die sich als schlank und attraktiv ausgaben und hinter denen wir zwei uns hätten verstecken können!" Was habe ich mit seinen schlechten Erfahrungen zu schaffen? fragt sich Beatrice, und im Geiste streicht sie diesen eingefleischten Langweiler bereits von der Liste, da dieser vorwiegend zwei Themen auf seiner Klaviatur angebotener Sujets beherrscht: sich selbst und seine Kinder.
Fortsetzung aus dem Roman "Der parzellierte Mann":
...Erstens: Den Kunsthändler und Antiquar, der, nebst unverrückbarer Gattin, eine Gespielin zwecks Libidoauffrischung sich wünscht, den Kunsthändler mäht jedoch eine urplötzliche Darminfektion nieder, so dass dieser Termin., beziehungsweise, dieser Kandidat ersatzlos gestrichen werden muss.
Zweitens: Der Unternehmensberater, der sein optisches Alter von 54 auf 44 herunterdrückte und sich dabei einer gnadenlosen Selbstüberschätzung schuldig machte, der absichtsvoll gediegene Mittfünfziger entpuppt sich als männliche Glucke (drei Kinder, "die noch sehr zu ihrem Vater halten" und dezidierte Sportkanonen sind) und als temporär mittellos, da man ihn just vor dem ersten galanten Treffen seiner Brieftasche beraubt hat. Peinliche Entgleisung oder wohl kalkulierter Rückzug, falls die Dame aus der Anzeige sich als Flop erweist, und man somit wenigstens keine Ausgaben hätte? "Sie können sich nicht vorstellen, was ich schon alles erlebt habe: Damen, die sich als schlank und attraktiv ausgaben und hinter denen wir zwei uns hätten verstecken können!" Was habe ich mit seinen schlechten Erfahrungen zu schaffen? fragt sich Beatrice, und im Geiste streicht sie diesen eingefleischten Langweiler bereits von der Liste, da dieser vorwiegend zwei Themen auf seiner Klaviatur angebotener Sujets beherrscht: sich selbst und seine Kinder.
Donnerstag, 13. September 2012
Qualitätsmerkmale eines Liebesromans
Was zeichnet einen guten Liebesroman aus? Große Geister haben mal behauptet, nichts wäre so schwer zu schreiben wie ein solcher, und über glückliche Liebe zu schreiben wäre nahezu unmöglich, da Euphorie ja Reflexion ausschließt. Sollte ein Liebesroman von einer erträglichen Leichtigkeit getragen sein? Davon gibt es ja soviele, heitere, zum Schmunzeln animierende ausgewalzte Glossen, liebenswert und von vorrübergehender Dauer, sie berühren unsere Sinne, nicht unseren Geist und hinterlassen kaum Spuren.
Es bleibt also die Frage, was den guten Liebesroman ausmacht, den literarischen, der sich dem Charakter der Eintagsfliege verweigert. Vielleicht habt Ihr Ideen...
Es bleibt also die Frage, was den guten Liebesroman ausmacht, den literarischen, der sich dem Charakter der Eintagsfliege verweigert. Vielleicht habt Ihr Ideen...
Montag, 27. August 2012
Nun eine Pause...
Was wird Beatrice noch alles erleben mit ihrer Männerauslese? Hier mache ich mal eine Pause. Vielleicht wird sie die Neugierde auf den weiteren Verlauf ihrer Entwicklung steigern, vielleicht auch den Leser gleichgültig stimmen. Da mein Roman ein Bildungs- oder Entwicklungsroman ist, wird nichts so bleiben wie es war, wird sich die Proptagonistin mit jeder neuen Beziehung weiter entwickeln, ihre Ansichten, ihre Sprache, was sich im Duktus des Romans auch niederschlagen wird. Doch bald werden die einzelnen Exemplare aus dem "Männermuseum" vorgestellt werden...
Donnerstag, 16. August 2012
Auslese der FAZ-Anzeige
...Welch eine Auslese, sinniert sie: ein promovierter Bauingenieur mit spätem Architekturstudium, mit Blondschopf und ansprechenden Zügen, ein erfolgreicher Architekt und feinsinniger Kunsthistoriker mit profundem literarischem Wissen, ein weit gereister Geologe, mit vielfältiger Sprachkenntnism, ein gediegener Unternehmensberater, der mit Kaminfeuer und Sektgelagen winkt, ein allseitig gebildeter Kunsthändler.
Der Kunsthändler und Antiquar, der, nebst unverrückbarer Gattin, eine Gespielin zwecks Libidoauffrischung sich wünscht, mäht jedoch eine urplötzlliche Darminfektion nieder, so dass dieser Termin, beziehngsweise, dieser Kandidat ersatzlos gestrichen werden muss...
Der Kunsthändler und Antiquar, der, nebst unverrückbarer Gattin, eine Gespielin zwecks Libidoauffrischung sich wünscht, mäht jedoch eine urplötzlliche Darminfektion nieder, so dass dieser Termin, beziehngsweise, dieser Kandidat ersatzlos gestrichen werden muss...
Donnerstag, 9. August 2012
Auslese der FAZ-Anzeige
...Beatrice schwebt, die Auslese ihrer Anzeige im Kopf durchgehend. 22 Zuschriften, die Hälfte wurde bereits im Vorfeld aussortiert, da die Aspiranten sich als zu alt, zu ungeschickt ( in Wort und Schrift) oder zu unverschämt erwiesen. Rund zehn Kandidaten wurden in die engere Wahl gezogen, ein Teil davon zügig kontaktiert und mit der Handynummer der Ton angebenden Dame vesehen, zwecks alsbaldiger Terminabsprache. Noch schweben nur SMS, manche hochpoetisch, andere etwas pragmatischer durch den Äther, kaum dass sich ein oder das andere Telefonat ergeben hat. Manche bestechen mit ihrem Konterfei, wohl die attraktivsten unter ihnen, andere durch ein hemmunsgsloses Ausplündern literarischer Schätze. "Triffst Du nur das Zauberwort..." "Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne"...
Donnerstag, 2. August 2012
Rache der Entliebten
...Dann wird die Kneipe aufgesucht, in der alles seinen Anfang. Sie ist fast leer zu so später Stunde. Alles Leben, alle rustikale Fröhlichkeit, all der volkstümliche Lärm scheinen aus ihr gewichen zu sein, aus ihr herausgefegt worden zu sein, um ein bescheidenes Gehäuse zu offenbaren, eine Lokalität, die nur zu bestimmten Zeiten gewillt ist, den Ansturm belustigungseifriger, alkoholdarbender und redseliger Freitzeitler aufzunehmen. Dann erstirbt diese zu einer Kulilsse, zur Staffage einer Kleinstadtinszenierung. Beatrice nimmt´s gelassen, feiert den Abschied von einer kurzen Episode in ihrem an Ereignissen nicht armen Leben, nimmt noch einmal die harmlosen Butzenscheiben in Augenschein, die drolligen, Blumen geschmückten Keramiklampen, die schweren geschwungenen Holzbänke, die fransingen Tischdecken, die herzförmigen Gucklöcher in den Stuhllehnen, den schweren, mit einer Kupferplatte abschließenden Tresen, ernste Demarkationslinie zwischen den Wirten und den Bewirteten, die schmiedeeisernen Stäbe, die sich zwischen den einzelnen Bank-Tisch-Abteilen hochranken, bis zur Decke hochzwirbeln, dem Ganzen etwas Pseudo-Filigranes verleihend, das zwischen schmutzigem Beige und verblichenem Braun unentschiedene Tapetenmuster sowie die niedrige Raumhöhe. Dies alles nimmt sie noch einmal wahr, halb wohlwollend, halb belustigt, ohne die Spur einer Resignation, nachdem man sich zur endgültigen und nachträglich begrüßten Ruptur durchgerungen hatte, all dies wird letztmalig registriert und gespeichert. ...
Dann: Kneipe Kneipe sein lassen, mit all ihren miefig-triefigen Attributen , in ihrem Fünfziger Jahre-Odem ruhen gelassen, ihre scheinbare Unrenovierbarkeit nicht mehr beanstandet, das Ganze als museal abgefertigt.
Dann: Kneipe Kneipe sein lassen, mit all ihren miefig-triefigen Attributen , in ihrem Fünfziger Jahre-Odem ruhen gelassen, ihre scheinbare Unrenovierbarkeit nicht mehr beanstandet, das Ganze als museal abgefertigt.
Montag, 30. Juli 2012
Neues aus dem "Männernuseum"
..."Diese eingeschränkte Ausdrucksweise, diese lapidaren SMS ("Was machst Du?" "Kartoffeln ausstechen und Du?"), diese ständige Angst, dem alkoholischen Vorspiel eine Bett-Performance folgen lassen zu müssen ("Heut bin ich echt müde!"), das biedere Spitzengardinen-verunzierte Heim, das Eltern-Kind-Klammeraffen-Getue ("Ja, wer soll sich sonst um ihren Haushalt kümmern?"), die Unfähigkeit, eine Frau zu behalten (eine gescheiterte Ehe und etliche abgebrochene Beziehungen).
Nun stand er da, nackt und bloß auf einem Berg verabreichter Verbalinjurien, so fern, so nichtig, als wäre er eigentlich nicht von diesem Planeten und nie gewesen. Die Vernichtung von Gewesenem mittels einer angriffslustigen Gegenwart, die sich der Zukunft bemächtigen möchte. Kontakte knüpfen, etwas Neues auslösen, einen Prozess in Gang bringen, dessen Ende sich im Bereich wildester Spekulationen verliert...
Nun stand er da, nackt und bloß auf einem Berg verabreichter Verbalinjurien, so fern, so nichtig, als wäre er eigentlich nicht von diesem Planeten und nie gewesen. Die Vernichtung von Gewesenem mittels einer angriffslustigen Gegenwart, die sich der Zukunft bemächtigen möchte. Kontakte knüpfen, etwas Neues auslösen, einen Prozess in Gang bringen, dessen Ende sich im Bereich wildester Spekulationen verliert...
Montag, 16. Juli 2012
Aus dem "Männermuseum"
...Eine Spezies wird besichtigt. Oder die Annonce zeitigt keinerlei Wirkung. So kurz vor Pfingsten sind viele verreist, um das verlängerte Wochenende zu nutzen.
Doch zunächst stecken Beatrice und Simone noch die Köpfe zusammen über ihren phosphoseszierenden Cocktails, die Beleuchtung in der Bar hat sich scheinbar gewandelt, das Stimmengewirr, welches das Lokal an einem Freitag Abend stets erfüllt, wird dumpfer, der Mond, der in einer Fensterschseibe erschienen war, hat sich in einem Nebelschleier verfangen, die Musik wirkt plötzlich mystifizierend, neue Töne werden der Anlage entlockt, die sich ansonsten populistisch bieder gibt und Schlager hämmernd. Erik wurde durch die "Zehn Punkte zum schnelleren Entlieben" rituell hingemeuchelt, Beatrice ließ kein gutes Haar an ihm...
Doch zunächst stecken Beatrice und Simone noch die Köpfe zusammen über ihren phosphoseszierenden Cocktails, die Beleuchtung in der Bar hat sich scheinbar gewandelt, das Stimmengewirr, welches das Lokal an einem Freitag Abend stets erfüllt, wird dumpfer, der Mond, der in einer Fensterschseibe erschienen war, hat sich in einem Nebelschleier verfangen, die Musik wirkt plötzlich mystifizierend, neue Töne werden der Anlage entlockt, die sich ansonsten populistisch bieder gibt und Schlager hämmernd. Erik wurde durch die "Zehn Punkte zum schnelleren Entlieben" rituell hingemeuchelt, Beatrice ließ kein gutes Haar an ihm...
Montag, 2. Juli 2012
"Männermuseum"
Nun schlägt der Abend, sich aus anfänglicher Melancholie befreiend, plötzlich in gelöste Heiterkeit um, nachdem Beatrice, eigentlich seelischen Beistands bedürftig, ihrer Freundin immer wieder Lachsalven entlockt hat. Pläne werden geschmiedet, die Freundin Simone zur heimlichen Komplizin. Es bedarf eines Gefährten. "Wir schalten eine Anzeige in der FAZ ein!": "Attraktive, gebildete Endvierzigerin mit Tagesfreizeit sucht Gefährten." Nicht mehr und nicht weniger. Eine Anzeige unter Chiffre. Plakative Anonymität. Als Adressatin fungiert die Freundin, die in der benachbarten Stadt wohnt.
Ein Taumel erfasst die beiden, die Gewissheit, etwas auszuprobieren, auszukosten, das den Geruch des Verbotenen oder zumindest des Ruchbaren verspricht, ein sich Vortasten in verborgene Gefilde, jenseits von Norm und Anstand. Da kann ja das schiere Panoptikum defilieren!...
Ein Taumel erfasst die beiden, die Gewissheit, etwas auszuprobieren, auszukosten, das den Geruch des Verbotenen oder zumindest des Ruchbaren verspricht, ein sich Vortasten in verborgene Gefilde, jenseits von Norm und Anstand. Da kann ja das schiere Panoptikum defilieren!...
Sonntag, 24. Juni 2012
Wie es weitergeht...
Demnächst werde ich aus einem Kapitel zitieren, das ich intern "Männermuseum" genannt habe. Beatrice hat mit ihrer Freundin Simone eine Anzeige in der FAZ aufgegeben zwecks Kontaktaufnahme. Der Text lautet: "Attraktive, gebildete Endvierzigerin mit Tagesreizeit sucht Gefährten", Solltet Ihr auf die Auslese neugierig sein, so schreibt das doch bitte im Kommentar. Dann lege ich los und zeige Euch, was meine Protagonistin dabei alles erlebt, wenn sie die Spezies Männer "besichtigt". Bis bald!
Montag, 11. Juni 2012
"In den Nachtclubs", letzter Post aus dem Kapitel
...Ein dicker, jovialer Italiener mit Halbglatze und Wackelbauch macht ihr unverhofft seine Aufwartung, und in einem Elan von "Jetzt erst echt!"-Mentalität schwingt sie sich auf, geht durch die Reihen, erreicht die Tanzfläche, auf der sie zu wirbeln anfängt, nicht wenig überrascht von der Beweglichkeit ihres korpulenten Tanzpartners. Wir sind immer in Äußerlichkeiten verfangen, denkt Beatrice. Doch hier ist sie um einige Zentimer gewachsen, der bunte Blazer umsschließt wieder perfekt ihre Figur, ihre grazile Taille, so wie sie es mag, die Proportionen sind stimmig. So wandelt sich das Spiegelbild, wenn der Kontext keine Konkurrenz stiftet. Sie spürt die Blicke, die sich auf ihren Körper, der doch so wenig Einblicke gewährt, einbrennen. Sie nimmt die Blicke auf, die ihr zusagen.
Donnerstag, 7. Juni 2012
"In den Nachtclubs", Fortsetzung
...Schließlich landen die zwei Kleinstadtabenteurerinnen in einem drittklassigen Tanzlokal im Stil "Ball der einsamen Herzen". Hier lauen zumindest keine perfekten Körper, hier überrascht keine krasse Jugend. Hier macht sich der schiere Durchschnitt breit. Unbekümmert wackeln Wabbelbäuche, ausladende Hüften im Rhythmus einer exotisch entfesselten Musik. Kein Technogestmpfe, keine Melodienverweigerung, die i n abgehackten Intervallen einem die Sinnlosigkeit großstädtischer Alleingänge ins Gehirn hämmert. Hier atmet tiefste, unbekümmerte Provinz, atmet laut und fröhlilch, wobei Lebenslust den verkrampften Körperkult ersetzt. Beatrice und Fiona verschwinden in einer Nische des in plüschigem, eindeutig zweideutigem Rot-schwarz ausgelegten Lokals, veschwinden und fragen sich, wie sie eigentlich hier gelander sind. "Wie tief sind wir gesunken!". seufzt die ältere in einer Mischung aus halbherziger Belustigung und Resignation...
Montag, 4. Juni 2012
"In den Nachtcllubs", Fortsetzung
...Als sie diesen vermeintlichen Palast moderner Sehnsüchte verlassen - wie befreiend ist es, die Tür hinter sich zu schließen -, als sie schon fast die Straße erreicht haben, treffen sie auf zwei freundliche Wärter im dazu gehörigen Wärterhäuschen : dreißig vielleicht der eine, fünfzig der andere, beide Ausländer. "Für den Laden hier sind wir zu alt", bescheidet ihnen Fiona, wild entschlossen, als die zwei Herren sich nach dem Grund für den frühen Weggang der beiden Damen erkundigen. "Wissen Sie nichts anderes, das besser zu uns passt?" "O, die Damen sind doch noch jung, höchsten knapp über vierzig!" Beatrice badet in diesem Kompliment, während Fiona schmollt. Wie empfindlich wird man, wie zerbrechlich, wenn Jugend und Schönheit sich anschicken zu verschwinden, Anstatt die Altersreife zu genießen und Ressourcen daraus zu beziehen, milde zur Ruhe zu kommen und den Herbst des Lebens in allen seinen Schattierungen zu genießen, flüchtet man sich in einen vagen Wahn, in fragile Illusionen, setzt auf den Glanz der Augen, die durch Gymnastik und Diät gebändigten Kurvern, auf ein subtiles Outfit, ein unverfälschtes Lächeln...
Mittwoch, 30. Mai 2012
"in den nachtclubs", Fortsetzung
...Der stark taillierte Blazer, der ihre weiblichen Formen nachdrücklich umschließt offenbart eine zu klein geratene, nicht wirklich schlanke Endvierzigerin. Muttchenimage, denkt Beatrice, immer noch nicht abgelegt. Lauert um jede Ecke einer neuen Begegnung der jüngeren Art. Trotz aller Bemühungen wie Morgengymnastik oder abendlichen Dinner-cancellings, trotz überfallartigen Ausräumens benachbarter Boutiquen, stets auf der Suche nach dem neuesten, immer schöner, schlanker und jünger machenden Outfit, trotz aller illusionserhaltender Maßnahmen, wird man vehement zurückgeworfen auf die nackten Tatsachen des faktischen Alters, dem gefühlten Hohn sprechend. "Lass uns das Lokal wechseln", schlägt Fiona vor, die in ihrer weiten orangefarbenen Strickhose das Gefühl aufkommen lässt, sie sei einer Siebziger-Jahre-Revival-Hare-Krishna-Epoche entsprungen. Zwei mittelalterliche Hexen auf dem Weg nach unten, denkt Beatrice ganz ohne Wehmut...
Montag, 14. Mai 2012
"In den Nachtclubs", Fortsetzung
Coole Club-Atmpsphäre, sparsames Licht, das kaum die Cocktailkarte erhellt, viel Kubisches, Reduziertes, opales Weiß, helles Holz, veschwimmender Boden mit Milchglaseinsätzen. Das abstahierende Großstadtleben: wenig Sinnliches, dafür die Lücken, die Leerstellen zwischen Leder- und Holzwürfeln, zwischen verschlankten Beleuchtungskörpern und hellen Holzpaneelen. Dazwischen all die Einsamkeit, die ausgehauchte Wärme, die Beziehungslosigkeit, die Anonymität, die unbeantworteten und unbeantwortbaren Fragen nach dem Glück und Sinn des Lebens, nach den Möglichkeiten, der grassierenden Vereinsamung zu entkommen, Und dann die vielen jungen schönen Menschen: groß gewachsen, schlank, als entsprängen sie einer arischen Modellwerksatt, vorzugsweise blond, mit feine Zügen in Botticelli-Gesichtern. Fiona und ihre Begleiterin fragen sich, was machen wir hier eigentlich?
Beatrice kommt sich "wie aufgestumpt" vor. Im Toilettenspiegel hat sie das Gefühl, in die Breite gangen zu sein...
Beatrice kommt sich "wie aufgestumpt" vor. Im Toilettenspiegel hat sie das Gefühl, in die Breite gangen zu sein...
Donnerstag, 3. Mai 2012
"In den Nachtclubs"
Mit Fiona in den Nachtclub. Diese Abende, von einem melancholischen Dunkelblau, in dem alles mitschwingt: unerfüllte, unergründbare Sehnsüchte, Unsicherheit, Gewissensnöte, auch die Angst vor grenzenloser Selbstüberschätzung.
Die Frauen fahren zunächst an den Flughafen. Die Disko, die sie ins Visier genommen haben - gehobenes Niveau, besseres, will heißen, kein blutjunges Publikum - gibt es nicht mehr. Sie stehen in Wind und Regen, ein wenig enttäuscht, ein wenig lächerlich, doch lächerlich wirkt núr der, der es zulässt, denkt Beatrice. Die "Montgolfiere" ist abgehoben, davon geflogen, in bereits vergangene Zeiten. Vielleicht ein Zeichen, erinnert doch dieses museal gewordene Transportmittel an eines von Andreas´Lieblingsvehikeln. Vielleicht ein Wink des Schicksals, sinniert Beatrice, die sich einen amüsanten Abend erhoffte, vielleicht den Aufbruch ins Ungewisse, wunderbar Nebulös-Undefinierbare. Eine neue Bekanntschaft, ein neues Wagnis? Den Stachel des Neubeginns erspüren, jenseits aller Vernunft, wider besseres Wisssen? Welches wilde Tier schlummert in mir, welches "animal triste"?..
Die Frauen fahren zunächst an den Flughafen. Die Disko, die sie ins Visier genommen haben - gehobenes Niveau, besseres, will heißen, kein blutjunges Publikum - gibt es nicht mehr. Sie stehen in Wind und Regen, ein wenig enttäuscht, ein wenig lächerlich, doch lächerlich wirkt núr der, der es zulässt, denkt Beatrice. Die "Montgolfiere" ist abgehoben, davon geflogen, in bereits vergangene Zeiten. Vielleicht ein Zeichen, erinnert doch dieses museal gewordene Transportmittel an eines von Andreas´Lieblingsvehikeln. Vielleicht ein Wink des Schicksals, sinniert Beatrice, die sich einen amüsanten Abend erhoffte, vielleicht den Aufbruch ins Ungewisse, wunderbar Nebulös-Undefinierbare. Eine neue Bekanntschaft, ein neues Wagnis? Den Stachel des Neubeginns erspüren, jenseits aller Vernunft, wider besseres Wisssen? Welches wilde Tier schlummert in mir, welches "animal triste"?..
Donnerstag, 26. April 2012
Liebesszene im motel, Ende
...Andreas macht ein gequältes Gesicht, er wirkt nachdenklich, sichtlich bemüht, aufrichtig zu sein, vor allem sich selbst gegenüber. "Natürlich hänge ich noch an Anna. Dich kenne ich erst ein halbes Jahr, wir beiden wissen nicht nicht, wie sich das hier weiterentwickeln wird!" Man sollte niemals die Wahrheit oder das was als solche vorgegeben wird, herausfordern, denkt Beatrice etwas bitter und schmiegt sich gleichzeitig noch enger an Andreas, als gelte es den Inhalt des eben Gesagten etwas abzuschwächen. Sie sagt nichts, erwidert nichts, versucht sich mit dem Offensichtlichen abzufinden,. Was hast Du nur erwartet, fragt sie sich, nach kanpp sechs Monaten, nach diesem Feuerwerk an entfessleten Hormonen? Zwei dürstende Seelen fanden sich, sie dürfen sich lieben, doch dürfen sie jemals zusammen kommen? Andreas teilt nicht Alltagsroutine und pragmatisches, wiederkehrendes Einerlei mit ihr, auch nicht die "Wonnen des Gewöhnlichen", wie Thomas Mann es formulierte. Sie leben eine außerordentliche Beziehung, welche die geordneten Verhältnisse außen vor lässt.
Sonntag, 22. April 2012
Liebesszene im Motel, Fortsetzung
...Ein klein wenig schleicht sich Bedauern ein, eine ganz leise Enttäuschung, gerade der Anflug einer Enttäuschung, weil es Beatrice, nach Andreas´Dafürhalten, abermals nicht gelingt, den allerhöchsten Gipfel zu erklimmen und von da aus die in rosenfarbener Dämmerung aufleuchtende Ebene zu bestaunen. Sie versichert ihm, wie selig sie sei. So selig, dass sie sich zu einer unvorsichtigen Frage versteigt, als sie sich gerade in seiner wunderbaren Umarmung wie in Abrahams Schoß wähnt; einer Frage, die sie danach niemals wieder stellen würde: "Sag´mal, liebst Du eigentlich die Anna?"
Warum ließ sie sich nir von diesem Phantom verführen, warum musste diese Gestalt, derer sie noch nie in persona ansichtig wurde, am Horizont ihrer Gedanken auftauchen? Warum das momentane Glück trüben? Warum der Gegenwart nicht den Vorzug geben, warum, wie Orpheus, der sich nach Eurikike umdrehte und sein Glück somit augenblicklich verwirkte, hinter sich blicken, anstatt die Introspektion zu genießen? Weil wir Sicherheit brauchen, denkt Beatrice, Sicherheit, Vergewisserung, Garantien, und genau dies kann und darf Liebe nicht leisten, ohne das ihr ureigenste Paradoxon zu verraten!...
Warum ließ sie sich nir von diesem Phantom verführen, warum musste diese Gestalt, derer sie noch nie in persona ansichtig wurde, am Horizont ihrer Gedanken auftauchen? Warum das momentane Glück trüben? Warum der Gegenwart nicht den Vorzug geben, warum, wie Orpheus, der sich nach Eurikike umdrehte und sein Glück somit augenblicklich verwirkte, hinter sich blicken, anstatt die Introspektion zu genießen? Weil wir Sicherheit brauchen, denkt Beatrice, Sicherheit, Vergewisserung, Garantien, und genau dies kann und darf Liebe nicht leisten, ohne das ihr ureigenste Paradoxon zu verraten!...
Montag, 26. März 2012
In einem Motel im "parzelliertem mann", Fortsetzung
Er entkleidet sie langsam und bedächtig, als gelte es diesen Körper immer wieder neu zu entdecken, die Münder suchen immer wieder einander, als könnten sie sich nicht satt küssen, als hätten sie den Geschmack des anderen noch nicht genügend ergründet. Dieses Sich Anschmiegen, dieses Drücken, dieses Pressen, dieses Reiben, dieses Ergründen des anderen Körpers mit diversen Körperteilen, in unterschiedlichen Rhythmen und Tempi, es gibt doch kein größeres Glück als das körperlich-seelische Begehren eines anderen Menschen und die immer wieder vollzogene liebevolle In Besitz Nahme dieses auserwählten Patrners, denkt Beatrice...
Sie genießen die Sprache der Körper, das Streicheln, das Küssen, das gegenseitige Sich Hinaufschaukeln, bis in die nächste Stufe der Lust...
Sie genießen die Sprache der Körper, das Streicheln, das Küssen, das gegenseitige Sich Hinaufschaukeln, bis in die nächste Stufe der Lust...
Montag, 19. März 2012
Kapitel "Motels" aus "Der parzellierte Mann"
...Doch anders in diesem Motel, unweit der Stadt G. Natürlich sind die Wände weiß,...
Doch nachdem Andreas Beatrice eingeschleust hat, ("Du wartest draußen, ich gehe vorne durch die Rezeption herein und mache Dir später die hintere Tür auf, ich habe nachgeschaut, sie müsste immer offen sein") - eine Prozedur, die ihr arg missfällt, weil sie die Geliebte wieder mal zum Nachtschattengewächs verkommen lässt -; nachdem sie also beide vor der gemeinsam erspähten und ersehnten Tür stehen, verwandelt sich dieser Ort für indifferente Reisende in eine magische Zuflucht, in einen Hort intensiv und langsam zu genießenden Glücks. Das Bett ist breiter als das übliche, die Laken von blendendem Weiß, die Naszelle mit den adretten frotteetüchern in sanften Pastellfarben gibt ihnen das Gefühl auf Reisen zu sein, ohne die Heimat verlassen zu haben, Wir sind Durchreisende, denkt Beatrice, die immer wieder an den Ort ihrer Sehnsucht zurückkommen. In dieser körperlichen und seelischen Intimität vermuten wir unsere wahre Heimat.
Er entkleidet sie lansam und bedächtig,...
Doch nachdem Andreas Beatrice eingeschleust hat, ("Du wartest draußen, ich gehe vorne durch die Rezeption herein und mache Dir später die hintere Tür auf, ich habe nachgeschaut, sie müsste immer offen sein") - eine Prozedur, die ihr arg missfällt, weil sie die Geliebte wieder mal zum Nachtschattengewächs verkommen lässt -; nachdem sie also beide vor der gemeinsam erspähten und ersehnten Tür stehen, verwandelt sich dieser Ort für indifferente Reisende in eine magische Zuflucht, in einen Hort intensiv und langsam zu genießenden Glücks. Das Bett ist breiter als das übliche, die Laken von blendendem Weiß, die Naszelle mit den adretten frotteetüchern in sanften Pastellfarben gibt ihnen das Gefühl auf Reisen zu sein, ohne die Heimat verlassen zu haben, Wir sind Durchreisende, denkt Beatrice, die immer wieder an den Ort ihrer Sehnsucht zurückkommen. In dieser körperlichen und seelischen Intimität vermuten wir unsere wahre Heimat.
Er entkleidet sie lansam und bedächtig,...
Donnerstag, 15. März 2012
Aus dem Kapitel "Motels" aus "Der parzellierte Mann"
Motels kannte Beatrice von Reisen in die Vereinigten Staaten her. Motels sind etwas für eilige Durchreisende, für Menschen , denen der Weg niemals Ziel ist, die keine Reiseromantik kennen, die sich schnellstens und billig von einem Punkt zum nächsten fortbewegen, linear, nicht konzentrisch ums eigene Wohl bemüht. Motels sind der Inbegriff der Entpersönlichung des Reisens.Nicht umsonst geschehen in solchen zwielichtigen Etablissements Morde, Entführungen und andere Verbrechen, bestrebt, Persönlichkeiten und Identitätsmerkmale zu annullieren. Motelzimmer kommen glänzend ohne Bilder oder ähnlichen Wandschmuck aus, ohne Blumenarrangements, ausgesuchte Tapeten oder ausgefallenes Mobiliar. Motelzimmer heißen nicht willkommen mit kleinen Gastgeschenken oder flimmerdem Bildschirm und sie verabschieden auch nicht den zufreiden zu stellenden Gast, denn Motels sind auf raschen Durchlauf aus, sie sind schnellebig und transitorisch wie die ganze moderne Gesellschaft, die exklusive Nischen - wie Wellness, Esoterik oder exotischen Luxus - braucht, um inne zu halten. Wahrscheinlich ist ein Motel in Cincinatti, Ohio, nicht von seinem europäischsen Äquivalent in Bremerhaven oder Fürstenfeldbruck zu unterscheiden. Man parkt sein Auto unterm Schalfzimmerfenster, so wie man früher sein Pferd vorm Saloon abstellte, und betritt dieses fast unwirtlich anmutende "Sleep in", in der Absicht, die nicht zu vermeidende, aber doch so unerlässliche Nacht hinter sich zu bringen....
Donnerstag, 8. März 2012
"Im NLP-Seminar" aus "Der parzellierte Mann"
...Ein bestechend-berauschendes System, ein elegantes Gedankengebäude, "NLP" genannt, aus den reformfuriosen USA stammend, überraschte mit positiven, lebensbejahenden, den Menschen in seiner Einzigartigkeit grenzenlos wertschätzenden Anrgegungen,
Jeder war willkommen: Unternehmensberater, welchen der Spagat zwischen Effizienz und Empathie misslang, ganz auf der Suche nach ihrer verloren gegangenen oder niemals zur Entfaltung gelangten emotionalen Intelligenz, ausgebrannte Lehrer mit erloschenem Blick und langsamen Bewegungen, angehende, spirituell entflammte Heilpraktikerinnen, zahnärzte, die auf die heilsame Kunst der Trance zur Schmerzstillung setzten, Personalberater und -beraterinnen, sich an einem signifikanten Scheideweg ihres Lebens befindend und die Atmosphäre von Sterilität und Unbarmherzigkeit in modernen Firmen verurteilend, Firmeninhaber und -inhaberinnen, um Nachhilfe in psychologischer Führung ersuchend, schließlich gestrandete Privatpersonen, bestrebt, den "missing link" zwischen Phantasiewelt und äußerer von Menschen bewohnter Erlebniswelt zu finden...
Und mittendrin, stahlend und unübersehbar, wie eine große, dem Astralgestirn zugewandte Sonnenblume: Konstanze, die selten saß, lieber stehen blieb, um ihre Schützlinge zu führen, auf der Suche nach sich selbst und auf ihrem neu gepflasterten Weg in eine andersartig wahrzunehmende Außenwelt. lauter Vorsätze, doch begründet duch immer währende mentale Programmierung...
Jeder war willkommen: Unternehmensberater, welchen der Spagat zwischen Effizienz und Empathie misslang, ganz auf der Suche nach ihrer verloren gegangenen oder niemals zur Entfaltung gelangten emotionalen Intelligenz, ausgebrannte Lehrer mit erloschenem Blick und langsamen Bewegungen, angehende, spirituell entflammte Heilpraktikerinnen, zahnärzte, die auf die heilsame Kunst der Trance zur Schmerzstillung setzten, Personalberater und -beraterinnen, sich an einem signifikanten Scheideweg ihres Lebens befindend und die Atmosphäre von Sterilität und Unbarmherzigkeit in modernen Firmen verurteilend, Firmeninhaber und -inhaberinnen, um Nachhilfe in psychologischer Führung ersuchend, schließlich gestrandete Privatpersonen, bestrebt, den "missing link" zwischen Phantasiewelt und äußerer von Menschen bewohnter Erlebniswelt zu finden...
Und mittendrin, stahlend und unübersehbar, wie eine große, dem Astralgestirn zugewandte Sonnenblume: Konstanze, die selten saß, lieber stehen blieb, um ihre Schützlinge zu führen, auf der Suche nach sich selbst und auf ihrem neu gepflasterten Weg in eine andersartig wahrzunehmende Außenwelt. lauter Vorsätze, doch begründet duch immer währende mentale Programmierung...
Donnerstag, 23. Februar 2012
Heute mal was anderes
Heute abend bleibt mein Blog in Erwartung zu kommender Kommentare mal stumm. Nehmt Euch ein Herz und schreibt einfach Eure Meinung zu dem, was ich Euch bereits aus dem "Parzellierten Mann" wissen ließ. Oder habt Ihr ganz anders geartete Fragen zu Werk, Figuren, Thematik oder Autorin? Ich freue mich auf eine Kommunikation mit Euch!
Donnerstag, 16. Februar 2012
"NLP" aus "Der parzellierte mann", Fortsetzung
...Konstanze war der unerschütterliche Mittelpunkt: mütterlich in Maßen, wohlwollend-warmherzig, lebenserfahren und lebenslustig, eloquent und von einer reduzierten, alternativen Eleganz. Groß war sie, mit blondiertem, durchgestuften Pagenkopf, sie trug meistens längere, ihre reife, weibliche Figur lässig umspielende Gewänder, die Phantasie mehr nährend als sie unterdrückend, in Meeresfarben oder Sonnenuntergangstönen, mit passendem, unprätenziösem, oftmals auf alltägliche Naturmaterialien , wie Muscheln, Leder oder fossile Versteinerungen, zurückgreifendem Schmuck.
Wenn sie den Raum betrat, kamen Licht und Luft hinein, der ganze Schwung der in der Begeisterung eines Neubeginns steckte. Konstanze hatte ihren Lehrerinnenberuf an den Nagel gehängt, hatte einige Jahre - nach abgeschlossenem Psychologiestudium - als Schulpsychologin gearbeitet, um schließlich den Schritt - über einen Abgrund an Risiken, Unwägbarkeiten und Ungewissheiten hinweg - in die Selbständigkeit zu wagen. Nun hielt sie sich über Wasser - oder über diesen Abgrund hinweg - mit unterschiedlichen Kursen, allesamt auf der "Systemischen Therapie" basierend...
Wenn sie den Raum betrat, kamen Licht und Luft hinein, der ganze Schwung der in der Begeisterung eines Neubeginns steckte. Konstanze hatte ihren Lehrerinnenberuf an den Nagel gehängt, hatte einige Jahre - nach abgeschlossenem Psychologiestudium - als Schulpsychologin gearbeitet, um schließlich den Schritt - über einen Abgrund an Risiken, Unwägbarkeiten und Ungewissheiten hinweg - in die Selbständigkeit zu wagen. Nun hielt sie sich über Wasser - oder über diesen Abgrund hinweg - mit unterschiedlichen Kursen, allesamt auf der "Systemischen Therapie" basierend...
Montag, 13. Februar 2012
Weiteres über den "parzellierten Mann"
"Im NLP-Seminar"
Dieses Jahr ist eine Aneinanderreihung von Kostbarkeiten, denkt Beatrice. Die Liebe treibt immer üppigere Blüten, mein alternder Körper scheint in einer gleichaltrigen Perspektive noch fest und geschmeidig genug zu sein. Jedenfalls ist die innere Fähigkeit zu Begierde und Erfüllung scheinbar ewig jung. Der wachsende Widerspruch zwischen äußerem Alter und innerer Jugend. Beatrice erinnert sich an Konstanze, ihre Kursleiterin im NLP-Seminar: "Neuro-Linguistisches Programmieren". Hatte CC vorgeschlagen. Die mental-sprachliche Konditionierung von menschlichem Verhalten in schwierigen Situatuionen. Sollte, nach Erlernung und Einübung, den Grundstock für eine psychologisch fundierte Lebensberatung bilden, die Beatrice in ihren vakanten Morgenstunden oder an müßigen Nachmittagen anbieten könnte. Im Seminarraum der Firma, an ausgewählten Tagen. Immerhin eine Perspektive, eine Möglichkeit, neues Terrain zu betreten, ohne die verwünschte Nachbarschaft der Naturwissenschaften oder medizinischen Fächer befürchten zu müssen.
Neue Menschen kennen lernen, die offen waren und aufnahmebereit, wie ein großes, gläsernes Gefäß. Menschen beiderlei Geschlechts, unterschiedlicher Herkunft und aus verschiedenen Berufen stammend. Ein Panoptikum an zu entdeckenden Lebensschicksalen. Angedeutet, pointiert oder ostentativ...
Dieses Jahr ist eine Aneinanderreihung von Kostbarkeiten, denkt Beatrice. Die Liebe treibt immer üppigere Blüten, mein alternder Körper scheint in einer gleichaltrigen Perspektive noch fest und geschmeidig genug zu sein. Jedenfalls ist die innere Fähigkeit zu Begierde und Erfüllung scheinbar ewig jung. Der wachsende Widerspruch zwischen äußerem Alter und innerer Jugend. Beatrice erinnert sich an Konstanze, ihre Kursleiterin im NLP-Seminar: "Neuro-Linguistisches Programmieren". Hatte CC vorgeschlagen. Die mental-sprachliche Konditionierung von menschlichem Verhalten in schwierigen Situatuionen. Sollte, nach Erlernung und Einübung, den Grundstock für eine psychologisch fundierte Lebensberatung bilden, die Beatrice in ihren vakanten Morgenstunden oder an müßigen Nachmittagen anbieten könnte. Im Seminarraum der Firma, an ausgewählten Tagen. Immerhin eine Perspektive, eine Möglichkeit, neues Terrain zu betreten, ohne die verwünschte Nachbarschaft der Naturwissenschaften oder medizinischen Fächer befürchten zu müssen.
Neue Menschen kennen lernen, die offen waren und aufnahmebereit, wie ein großes, gläsernes Gefäß. Menschen beiderlei Geschlechts, unterschiedlicher Herkunft und aus verschiedenen Berufen stammend. Ein Panoptikum an zu entdeckenden Lebensschicksalen. Angedeutet, pointiert oder ostentativ...
Donnerstag, 2. Februar 2012
Fortsetzung des Kapitels "Die Feuerzangenbowle" aus dem Roman "Der parzellierte Mann"
..."Ein Mönch, der zwar hochbegabt, aber charakterlich wenig gefestigt ist, erliegt der Versuchung, von dem geheimnisvollen Teufelselixier zu trinken, das in seinem Kloster wie eine Reliquie gehalten wird. Dieser Trank entfesselt dann alle finsteren Mächte in ihm, und er entbrennt auch in leidenschaftlicher Liebe zu einem schönen Mädchen. um dieses zu bekommen, schreckt er vor Betrug - er hat ja auch sein Gelübde gebrochen -, Ehebruch, Mord und Blutschande nicht zurück. Er gerät in einen Strudel verbrecherischer Taten und muss am Schluss in einem römischen Kloster Buße tun für alle Schandtaten, nachdem er erfahren hat, dass ein Fluch auf seinem Familiengeschlecht lastete." "Oh, an allem ist die Liebe schuld?" fragt Enno. "Nein, eine unberechenbare Schicksalhaftigkeit!" flüstert Beatrice. "Hört, hört!" ruft CC aus sseiner Männerecke herüber. Er hält sich noch erstaunlich gerade, trotz des anhaltenden Konsums an geistlichen Getränken, und sie fragt sich, ob er den Nachhauseweg wirklich gut bewerkstellilgen wird. Das ist CC, denkt Beatrice, nach außen hin beherrscht und scheinbar alles unter Kontrolle habend, doch innen kleine Feuer entfachend. Daher diese intensiven Außenreize, derer er bedarf, um sich besser zu spüren, seinen Körper, seinen Geist: Sport im Übermaß, Extremurlaub, ferne Reisen. Allmählich gleitet er in jene Altmännerphantasien hinab, die dem Ich vorgaukeln, durch Kraaftaufschwünge bröckelnde Jugend und schwindenden Lebenssinn aufhalten zu müssen.
Die Fenster sind pechschwarz, der Geräuschpegel erstaunlich, schnell hat man die Geister verscheut, die schemenhaft aufgetaucht waren, der kupferne Kessel ist leer, steht traurig und verlassen da, wie ein abgestelltes Utensil, ja wie ein Requisit, das seine Schuldigkeit getan hat. Erinnerungen, Kindheitserinnrungen bemächtigen sich Beatrices: auch ein kupferner Kessel, auch ein Zuckerkonus...
Die Fenster sind pechschwarz, der Geräuschpegel erstaunlich, schnell hat man die Geister verscheut, die schemenhaft aufgetaucht waren, der kupferne Kessel ist leer, steht traurig und verlassen da, wie ein abgestelltes Utensil, ja wie ein Requisit, das seine Schuldigkeit getan hat. Erinnerungen, Kindheitserinnrungen bemächtigen sich Beatrices: auch ein kupferner Kessel, auch ein Zuckerkonus...
Montag, 30. Januar 2012
Kapitel "Die Feuerzangenbowle", Fortsetzung
..."Bea, Du siehst heute irgendwie anders aus!" Enno, ihr Lieblingsverehrer, der leider ebenfalls ihr weiches, suffixähnliches Namensende dem Sprachfluss geopfert hat, der liebe, sanft erotische Enno betrachtet sie aus seiner rührenden Kopfschieflage. "Deine Augen glänzen mehr, sind irgendwie weiter, offener." Beatrice schmunzelt:"Enno, das bildest Du Dir ein. Oder, es ist die Bowle. Wisst Ihr, was sie beinhaltet?" "Nein, was denn, ist doch ein Geheimnis!" "Im großen und ganzen, ja, eins kann ich Euch sagen, diese Bowle beinhaltet die Elixiere des Teufels, und im Teufel steckt bekanntermaßen das Detail." Enno lacht ihr ins Gesicht: "Du bist mir vielleicht eine! Und was bewirken diese Elixiere?" "Die Verwandlung, das, was man sich schon immer erträumte. Das Loslassen der Taue, das plötzliche Entgleiten." "Wo möchtest Du denn hin entgleiten?" "Das überlege ich mir noch." "So spontan kann meine Frau gar nicht sein", wirft CC ein, indem er sich einen Kurzen hineinkippt. "Und von loslasssen kann keine Rede sein. Man kann ihr die schönsten, teuersten Reisen anbieten, das interessiert sie nicht."..."Mir geht es um eine ganz andere Exotik", sagt sie plötzlich, indem sie ihr Bowlenglas fest umklammert hält, "die Exotik des Geistes, des Herzens, das Wunder im Alltag...doch nun erwachen wieder die Lebensgeister angesichts dieses Zaubergetränks."
"Die Elixiere des Teufels", ist das nicht irgend so eine Schauergeschichte?" fragt Marie-Lou, nachdem sie eine neue, mit Schmalzbroten belegte Platte herein getragen hat. Ihre Wangen glühen und auch ihre Eichhörnchenaugen, die überhaupt stets Lebenslust versprühen, doch gebändigt durch Altersmilde und Familienräson. "Ja, es ist ein Roman von E.T.A. Hoffman; es ist ein Meisterstück romantischer Schauerliteratur", korrigiert Beatrice. "Erzähl mal, worum geht´s da?" fragt Enno, nachdem er näher an seine Gesprächspartnerin herangerückt ist. Sie lächelt und hebt im nächsten Augenblick an:...
"Die Elixiere des Teufels", ist das nicht irgend so eine Schauergeschichte?" fragt Marie-Lou, nachdem sie eine neue, mit Schmalzbroten belegte Platte herein getragen hat. Ihre Wangen glühen und auch ihre Eichhörnchenaugen, die überhaupt stets Lebenslust versprühen, doch gebändigt durch Altersmilde und Familienräson. "Ja, es ist ein Roman von E.T.A. Hoffman; es ist ein Meisterstück romantischer Schauerliteratur", korrigiert Beatrice. "Erzähl mal, worum geht´s da?" fragt Enno, nachdem er näher an seine Gesprächspartnerin herangerückt ist. Sie lächelt und hebt im nächsten Augenblick an:...
Donnerstag, 19. Januar 2012
"Die Feuerzangenbowle" aus "Der parzellierte Mann"
Die Feuerzangenbowle glüht. Die Gesichter auch. Sie kommt, verspätet zwar, doch sie erscheint plötzlich zwischen all diesen Gestalten, die, wenn der Abend nicht mehr jung ist, zur Selbstentlarvung neigen. "Bea, schön, dass Du noch kommtst. Wie wär´s mit etwas Gebäck oder einem Schmalzbrot? Einen Schluck Bowle trinkst Du sicherlich auch?" Beatrice, welche die Halbierung ihres Namens verabscheut, verlegt sich auf den süffigen Alkohol und etwas Gebäck, da sie diese urdeutschen, Fett glänzenden Brotscheiben hasst, was ein Jeder mittlerweile wissen müsste.
Wie sie die Köpfe zusammenstecken, wie sie lachen und lauf sind in dieser dampfigen Luft! Der Zuckerkonus ist bereits ganz verschwunden. Ob man sich da etwas wünschen durfte? Solange, bis sich der schneeweiße Zipfel ganz aufgelöst hatte? Eine ganze Wunscherfüllungskarenz? Wie sie zusammen lachen und sich in die Seiten puffen! Auch Carl-Conrad, genannt CC, ist ganz weinselig, oder vielmehr glühweinselig, so kennt sie ihn kaum. Sie schwadronieren etwas von Hochseeangeln und Fahrradtouren an Ostern, von einem herbstlichen gemeinsamen Wochenende zur Weinlese. Das ganze Jahr hecheln sie durch, als ob es etwas Kostbareres gäbe als den Augenblick, sie durchpeitschen ihr leben auf der Suche nach Beute und sehen nicht, was das Leben ihnen hinhält. Sie sind machmal ganz weit weg und nicht zu fassen...
Wie sie die Köpfe zusammenstecken, wie sie lachen und lauf sind in dieser dampfigen Luft! Der Zuckerkonus ist bereits ganz verschwunden. Ob man sich da etwas wünschen durfte? Solange, bis sich der schneeweiße Zipfel ganz aufgelöst hatte? Eine ganze Wunscherfüllungskarenz? Wie sie zusammen lachen und sich in die Seiten puffen! Auch Carl-Conrad, genannt CC, ist ganz weinselig, oder vielmehr glühweinselig, so kennt sie ihn kaum. Sie schwadronieren etwas von Hochseeangeln und Fahrradtouren an Ostern, von einem herbstlichen gemeinsamen Wochenende zur Weinlese. Das ganze Jahr hecheln sie durch, als ob es etwas Kostbareres gäbe als den Augenblick, sie durchpeitschen ihr leben auf der Suche nach Beute und sehen nicht, was das Leben ihnen hinhält. Sie sind machmal ganz weit weg und nicht zu fassen...
Donnerstag, 5. Januar 2012
"Der parzellierte Mann", Fortsetzung des letzten Post (S, 55f.)
...Sie wundert sich über seine Vorsicht, über das langsame Vortasten, über das Abtasten des richtigen Rhythmus, als gelte es eine junge Frau einzuführen in die Wonnen eines neu erdachten physischen Genusses. Keine Inbesitznahme, keine Eroberung, vielmehr ein mit unendlicher Zartheit ausgeführeter Initiationsritus. Wogende Bewegungen, sie schließt die Augen und wähnt sich, Moses gleich, in einem schaukelnden Bastkorb auf einem ruhig dahin gleitenden Fluss. Er ist der Fluss und die tragende Kraft zugleich. Beatrice hält die Augen geschlossen und sieht grünblaue Pflanzen, dämmerfarbenes Gewässer, mattsilbriges Schilf, wiegendes, wogendes Schilfrohr. Plötzlich durchbricht morgendlicher Sonnenschein den sich ergebenden Himmel und ergießt sich warm, weich, wohltuend über die Dämmrigkeit, über das Verborgene und Heimliche und macht es heimelig. Ihr entfährt ein Seufzer wonniger Erleichterung. Er schmunzelt, küsst ihr ihr bei geschlossenen Lidern erwiderndes Lächeln weg, er schmunzelt und wundert sich ein wenig über diesen kleinen Höhepunkt, wie er sich noch über weitere Höhepunkte wundern wird.
Sie liegen noch eine Weile in ermatteter Umarmung, als wollten sie den Nachgeschmack einr solchen erste Vereinigung etwas auskosten...
Sie liegen noch eine Weile in ermatteter Umarmung, als wollten sie den Nachgeschmack einr solchen erste Vereinigung etwas auskosten...
Montag, 2. Januar 2012
"Der parzellierte Mann", S.54f.
Dann fahren sie nach Rothenbergen. Das Zimmer, tatsächlich eine gepflegte Winzigkeit. So, als hätte jemand, nicht über seine Verhältnisse lebend, gelegentlichen Gästen eine bescheidene Schlafstatt anbieten wollen. Aber er hat ja auch nicht viel Geld, dieser neue Liebhaber, und das wollen wir ihm nicht zur Last legen, denkt Beatrice.
Sie wird sorgsam entblättert, wie eine seltene Frucht, die das Kostbare tief in sich birgt. Sie lässt die Gedanken bei Seite, die sie an ihr Alter, ihre ganz unauffällig welkende Haut, ihre verloren gegangene Festigkeit erinnern könnten. Sie schiebt sie bei Seite und konzentriert sich auf die zarte Reibung eines von der frierenden Schulter rutschenden Wollärmels, auf Fingerkuppen, die über das Dekolleté huschen und die Vertiefung zwischen den Brüsten nachzeichnen, auf Lippen, welche die Wölbung des Bauches nachempfinden und, wie zur Bestätigung, wiederum den Abdruck ihres Mundes suchen. Die einzelnen Berührungspunkte als pars pro toto. Die große wiederholte Umarmung als alles umfassendes Geständnis. Der leichtere, dann stärkere Druck seiner Muskeln, wie ein redundantes Liebesbekenntnis. Dann macht er Gebrauch von der ihm bereitwillig geöffneten Pforte, schiebt mit seinem Knie die Türflügel behutsam beiseite und dringt mit unsagbarer Zärtlichkeit ein in das Allerheiligste, weil in der Männerwelt allseits begehrte. Sie
Sie wird sorgsam entblättert, wie eine seltene Frucht, die das Kostbare tief in sich birgt. Sie lässt die Gedanken bei Seite, die sie an ihr Alter, ihre ganz unauffällig welkende Haut, ihre verloren gegangene Festigkeit erinnern könnten. Sie schiebt sie bei Seite und konzentriert sich auf die zarte Reibung eines von der frierenden Schulter rutschenden Wollärmels, auf Fingerkuppen, die über das Dekolleté huschen und die Vertiefung zwischen den Brüsten nachzeichnen, auf Lippen, welche die Wölbung des Bauches nachempfinden und, wie zur Bestätigung, wiederum den Abdruck ihres Mundes suchen. Die einzelnen Berührungspunkte als pars pro toto. Die große wiederholte Umarmung als alles umfassendes Geständnis. Der leichtere, dann stärkere Druck seiner Muskeln, wie ein redundantes Liebesbekenntnis. Dann macht er Gebrauch von der ihm bereitwillig geöffneten Pforte, schiebt mit seinem Knie die Türflügel behutsam beiseite und dringt mit unsagbarer Zärtlichkeit ein in das Allerheiligste, weil in der Männerwelt allseits begehrte. Sie
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