Mittwoch, 30. Mai 2012

"in den nachtclubs", Fortsetzung

...Der stark taillierte Blazer, der ihre weiblichen Formen nachdrücklich umschließt offenbart eine zu klein geratene, nicht wirklich schlanke Endvierzigerin. Muttchenimage, denkt Beatrice, immer noch nicht abgelegt. Lauert um jede Ecke einer neuen Begegnung der jüngeren Art. Trotz aller Bemühungen wie Morgengymnastik oder abendlichen Dinner-cancellings, trotz überfallartigen Ausräumens benachbarter Boutiquen, stets auf der Suche nach dem neuesten, immer schöner, schlanker und jünger machenden Outfit, trotz aller illusionserhaltender Maßnahmen, wird man vehement zurückgeworfen auf die nackten Tatsachen des faktischen Alters, dem gefühlten Hohn sprechend. "Lass uns das Lokal wechseln", schlägt Fiona vor, die in ihrer weiten orangefarbenen Strickhose das Gefühl aufkommen lässt, sie sei einer Siebziger-Jahre-Revival-Hare-Krishna-Epoche entsprungen. Zwei mittelalterliche Hexen auf dem Weg nach unten, denkt Beatrice ganz ohne Wehmut...

Montag, 14. Mai 2012

"In den Nachtclubs", Fortsetzung

Coole Club-Atmpsphäre, sparsames Licht, das kaum die Cocktailkarte erhellt, viel Kubisches, Reduziertes, opales Weiß, helles Holz, veschwimmender Boden mit Milchglaseinsätzen. Das abstahierende Großstadtleben: wenig Sinnliches, dafür die Lücken, die Leerstellen zwischen Leder- und Holzwürfeln, zwischen verschlankten Beleuchtungskörpern und hellen Holzpaneelen. Dazwischen all die Einsamkeit, die ausgehauchte Wärme, die Beziehungslosigkeit, die Anonymität, die unbeantworteten und unbeantwortbaren Fragen nach dem Glück und Sinn des Lebens, nach den Möglichkeiten, der grassierenden Vereinsamung zu entkommen, Und dann die vielen jungen schönen Menschen: groß gewachsen, schlank, als entsprängen sie einer arischen Modellwerksatt, vorzugsweise blond, mit feine Zügen in Botticelli-Gesichtern. Fiona und ihre Begleiterin fragen sich, was machen wir hier eigentlich?
Beatrice kommt sich "wie aufgestumpt" vor. Im Toilettenspiegel hat sie das Gefühl, in die Breite gangen zu sein...

Donnerstag, 3. Mai 2012

"In den Nachtclubs"

Mit Fiona in den Nachtclub. Diese Abende, von einem melancholischen Dunkelblau, in dem alles mitschwingt: unerfüllte, unergründbare Sehnsüchte, Unsicherheit, Gewissensnöte, auch die Angst vor grenzenloser Selbstüberschätzung.
Die Frauen fahren zunächst an den Flughafen. Die Disko, die sie ins Visier genommen haben - gehobenes Niveau, besseres, will heißen, kein blutjunges Publikum - gibt es nicht mehr. Sie stehen in Wind und Regen, ein wenig enttäuscht, ein wenig lächerlich, doch lächerlich wirkt núr der, der es zulässt, denkt Beatrice. Die "Montgolfiere" ist abgehoben, davon geflogen, in bereits vergangene Zeiten. Vielleicht ein Zeichen, erinnert doch dieses museal gewordene Transportmittel an eines von Andreas´Lieblingsvehikeln. Vielleicht ein Wink des Schicksals, sinniert Beatrice, die sich einen amüsanten Abend erhoffte, vielleicht den Aufbruch ins Ungewisse, wunderbar Nebulös-Undefinierbare. Eine neue Bekanntschaft, ein neues Wagnis? Den Stachel des Neubeginns erspüren, jenseits aller Vernunft, wider besseres Wisssen? Welches wilde Tier schlummert in mir, welches "animal triste"?..