Montag, 28. November 2011

Thematische Varianten im "Parzellierten Mann"

"Der parzellierte Mann" ist auch ein Emanzipationsbuch, ein Bildungs- und Entwicklungsroman, die Geschichte einer Frau, die über sich selbst hinauswächst, mit jeder neuen Beziehung reifer und klarsichtiger wird. Themen sind zum Beispiel Generationenkonflikte, Ehekrisen, Sprache als Machtmittel oder Lebensqualitätsindikator, Kunst als Gegenentwurf zur Realität, Poesie und Ästhetik als Schmerzüberwindungstherapeutika, Psychologie und Lebenshile und vor allem die Liebe, immer wieder die Liebe in all ihren Varianten, seien sie sanktioniert oder etwas verruchter!.

Die erste Hälfte der ersten Seite habe ich Euch neulich gepostet. Demnächst folgt ein thematisch etwas anders gearteter Ausschnitt.

Montag, 7. November 2011

Seite 1 des Romans "Der parzellierte Mann"

Wenn Madame de in die Tiefen ihrer neuen Liebe hinabsteigt, lässt sie alles hinter sich: ihren Anstand, einen sinnenfeindlichen Moralkodex, ihre Vergangenheit aus einer Welt irritierender Verpflichtungen. Ihre schönen, teuren Kleider fallen zu Boden und entfalten beredte Muster: der byzantinisch anmutende, blau-goldene Pullover plustert sich auf wie ein betörender Pfau, der enge, dunkelblaue Rock verheißt eine lange Nacht, die so nicht stattfindet, die Strümpfe erscheinen als leere Hüllen ewig fordernder Weiblichkeit. Daneben die Stöckelschuhe, in denen sie mit ihrem Liebhaber nicht über die noch feuchten Wiesen rennen darf.
Wenn Madame de das Haus verlässt, ist ihr nach Rennen zumute, rennen möchte man in dieses neue Glück hienein, jede Sekunde, jede Minute einsaugen. Doch sie verlässt die Stadtvilla verhaltenen Schrittes und niemals ungestylt. Man legt die Insignien seines Standes, seiner sozialen Schicht an. Kleider machen Leute, auch, wenn man innerlich brennt. Man schiebt eine Einladung zum Tee vor, einen längst fälligen Besuch bei einer in Vergessenheit geratenen Freundin, diverse Besorgungen, die nach ihrer Erledigung verlangen...