..."Bea, Du siehst heute irgendwie anders aus!" Enno, ihr Lieblingsverehrer, der leider ebenfalls ihr weiches, suffixähnliches Namensende dem Sprachfluss geopfert hat, der liebe, sanft erotische Enno betrachtet sie aus seiner rührenden Kopfschieflage. "Deine Augen glänzen mehr, sind irgendwie weiter, offener." Beatrice schmunzelt:"Enno, das bildest Du Dir ein. Oder, es ist die Bowle. Wisst Ihr, was sie beinhaltet?" "Nein, was denn, ist doch ein Geheimnis!" "Im großen und ganzen, ja, eins kann ich Euch sagen, diese Bowle beinhaltet die Elixiere des Teufels, und im Teufel steckt bekanntermaßen das Detail." Enno lacht ihr ins Gesicht: "Du bist mir vielleicht eine! Und was bewirken diese Elixiere?" "Die Verwandlung, das, was man sich schon immer erträumte. Das Loslassen der Taue, das plötzliche Entgleiten." "Wo möchtest Du denn hin entgleiten?" "Das überlege ich mir noch." "So spontan kann meine Frau gar nicht sein", wirft CC ein, indem er sich einen Kurzen hineinkippt. "Und von loslasssen kann keine Rede sein. Man kann ihr die schönsten, teuersten Reisen anbieten, das interessiert sie nicht."..."Mir geht es um eine ganz andere Exotik", sagt sie plötzlich, indem sie ihr Bowlenglas fest umklammert hält, "die Exotik des Geistes, des Herzens, das Wunder im Alltag...doch nun erwachen wieder die Lebensgeister angesichts dieses Zaubergetränks."
"Die Elixiere des Teufels", ist das nicht irgend so eine Schauergeschichte?" fragt Marie-Lou, nachdem sie eine neue, mit Schmalzbroten belegte Platte herein getragen hat. Ihre Wangen glühen und auch ihre Eichhörnchenaugen, die überhaupt stets Lebenslust versprühen, doch gebändigt durch Altersmilde und Familienräson. "Ja, es ist ein Roman von E.T.A. Hoffman; es ist ein Meisterstück romantischer Schauerliteratur", korrigiert Beatrice. "Erzähl mal, worum geht´s da?" fragt Enno, nachdem er näher an seine Gesprächspartnerin herangerückt ist. Sie lächelt und hebt im nächsten Augenblick an:...
Montag, 30. Januar 2012
Donnerstag, 19. Januar 2012
"Die Feuerzangenbowle" aus "Der parzellierte Mann"
Die Feuerzangenbowle glüht. Die Gesichter auch. Sie kommt, verspätet zwar, doch sie erscheint plötzlich zwischen all diesen Gestalten, die, wenn der Abend nicht mehr jung ist, zur Selbstentlarvung neigen. "Bea, schön, dass Du noch kommtst. Wie wär´s mit etwas Gebäck oder einem Schmalzbrot? Einen Schluck Bowle trinkst Du sicherlich auch?" Beatrice, welche die Halbierung ihres Namens verabscheut, verlegt sich auf den süffigen Alkohol und etwas Gebäck, da sie diese urdeutschen, Fett glänzenden Brotscheiben hasst, was ein Jeder mittlerweile wissen müsste.
Wie sie die Köpfe zusammenstecken, wie sie lachen und lauf sind in dieser dampfigen Luft! Der Zuckerkonus ist bereits ganz verschwunden. Ob man sich da etwas wünschen durfte? Solange, bis sich der schneeweiße Zipfel ganz aufgelöst hatte? Eine ganze Wunscherfüllungskarenz? Wie sie zusammen lachen und sich in die Seiten puffen! Auch Carl-Conrad, genannt CC, ist ganz weinselig, oder vielmehr glühweinselig, so kennt sie ihn kaum. Sie schwadronieren etwas von Hochseeangeln und Fahrradtouren an Ostern, von einem herbstlichen gemeinsamen Wochenende zur Weinlese. Das ganze Jahr hecheln sie durch, als ob es etwas Kostbareres gäbe als den Augenblick, sie durchpeitschen ihr leben auf der Suche nach Beute und sehen nicht, was das Leben ihnen hinhält. Sie sind machmal ganz weit weg und nicht zu fassen...
Wie sie die Köpfe zusammenstecken, wie sie lachen und lauf sind in dieser dampfigen Luft! Der Zuckerkonus ist bereits ganz verschwunden. Ob man sich da etwas wünschen durfte? Solange, bis sich der schneeweiße Zipfel ganz aufgelöst hatte? Eine ganze Wunscherfüllungskarenz? Wie sie zusammen lachen und sich in die Seiten puffen! Auch Carl-Conrad, genannt CC, ist ganz weinselig, oder vielmehr glühweinselig, so kennt sie ihn kaum. Sie schwadronieren etwas von Hochseeangeln und Fahrradtouren an Ostern, von einem herbstlichen gemeinsamen Wochenende zur Weinlese. Das ganze Jahr hecheln sie durch, als ob es etwas Kostbareres gäbe als den Augenblick, sie durchpeitschen ihr leben auf der Suche nach Beute und sehen nicht, was das Leben ihnen hinhält. Sie sind machmal ganz weit weg und nicht zu fassen...
Donnerstag, 5. Januar 2012
"Der parzellierte Mann", Fortsetzung des letzten Post (S, 55f.)
...Sie wundert sich über seine Vorsicht, über das langsame Vortasten, über das Abtasten des richtigen Rhythmus, als gelte es eine junge Frau einzuführen in die Wonnen eines neu erdachten physischen Genusses. Keine Inbesitznahme, keine Eroberung, vielmehr ein mit unendlicher Zartheit ausgeführeter Initiationsritus. Wogende Bewegungen, sie schließt die Augen und wähnt sich, Moses gleich, in einem schaukelnden Bastkorb auf einem ruhig dahin gleitenden Fluss. Er ist der Fluss und die tragende Kraft zugleich. Beatrice hält die Augen geschlossen und sieht grünblaue Pflanzen, dämmerfarbenes Gewässer, mattsilbriges Schilf, wiegendes, wogendes Schilfrohr. Plötzlich durchbricht morgendlicher Sonnenschein den sich ergebenden Himmel und ergießt sich warm, weich, wohltuend über die Dämmrigkeit, über das Verborgene und Heimliche und macht es heimelig. Ihr entfährt ein Seufzer wonniger Erleichterung. Er schmunzelt, küsst ihr ihr bei geschlossenen Lidern erwiderndes Lächeln weg, er schmunzelt und wundert sich ein wenig über diesen kleinen Höhepunkt, wie er sich noch über weitere Höhepunkte wundern wird.
Sie liegen noch eine Weile in ermatteter Umarmung, als wollten sie den Nachgeschmack einr solchen erste Vereinigung etwas auskosten...
Sie liegen noch eine Weile in ermatteter Umarmung, als wollten sie den Nachgeschmack einr solchen erste Vereinigung etwas auskosten...
Montag, 2. Januar 2012
"Der parzellierte Mann", S.54f.
Dann fahren sie nach Rothenbergen. Das Zimmer, tatsächlich eine gepflegte Winzigkeit. So, als hätte jemand, nicht über seine Verhältnisse lebend, gelegentlichen Gästen eine bescheidene Schlafstatt anbieten wollen. Aber er hat ja auch nicht viel Geld, dieser neue Liebhaber, und das wollen wir ihm nicht zur Last legen, denkt Beatrice.
Sie wird sorgsam entblättert, wie eine seltene Frucht, die das Kostbare tief in sich birgt. Sie lässt die Gedanken bei Seite, die sie an ihr Alter, ihre ganz unauffällig welkende Haut, ihre verloren gegangene Festigkeit erinnern könnten. Sie schiebt sie bei Seite und konzentriert sich auf die zarte Reibung eines von der frierenden Schulter rutschenden Wollärmels, auf Fingerkuppen, die über das Dekolleté huschen und die Vertiefung zwischen den Brüsten nachzeichnen, auf Lippen, welche die Wölbung des Bauches nachempfinden und, wie zur Bestätigung, wiederum den Abdruck ihres Mundes suchen. Die einzelnen Berührungspunkte als pars pro toto. Die große wiederholte Umarmung als alles umfassendes Geständnis. Der leichtere, dann stärkere Druck seiner Muskeln, wie ein redundantes Liebesbekenntnis. Dann macht er Gebrauch von der ihm bereitwillig geöffneten Pforte, schiebt mit seinem Knie die Türflügel behutsam beiseite und dringt mit unsagbarer Zärtlichkeit ein in das Allerheiligste, weil in der Männerwelt allseits begehrte. Sie
Sie wird sorgsam entblättert, wie eine seltene Frucht, die das Kostbare tief in sich birgt. Sie lässt die Gedanken bei Seite, die sie an ihr Alter, ihre ganz unauffällig welkende Haut, ihre verloren gegangene Festigkeit erinnern könnten. Sie schiebt sie bei Seite und konzentriert sich auf die zarte Reibung eines von der frierenden Schulter rutschenden Wollärmels, auf Fingerkuppen, die über das Dekolleté huschen und die Vertiefung zwischen den Brüsten nachzeichnen, auf Lippen, welche die Wölbung des Bauches nachempfinden und, wie zur Bestätigung, wiederum den Abdruck ihres Mundes suchen. Die einzelnen Berührungspunkte als pars pro toto. Die große wiederholte Umarmung als alles umfassendes Geständnis. Der leichtere, dann stärkere Druck seiner Muskeln, wie ein redundantes Liebesbekenntnis. Dann macht er Gebrauch von der ihm bereitwillig geöffneten Pforte, schiebt mit seinem Knie die Türflügel behutsam beiseite und dringt mit unsagbarer Zärtlichkeit ein in das Allerheiligste, weil in der Männerwelt allseits begehrte. Sie
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