Donnerstag, 27. September 2012
Kandidat Nr.3, Fortsetzung
Die Überraschung steuert geradewegs auf das kleine Café zu, das sie zum Treffpunkt zweier, wie sich bald herausstellen wird, nicht zu vereinbarender Existenzen auserkoren haben. Beatrice sitzt bereits , und einem ersten Impuls gehorchend, möchte sie sich erheben und Hals über Kopf die Flucht ergreifen, denn das gerade anvisierte Exempel der Gattung Mann entpuppt sich zweifellos - zumindest rein optisch - als Kreuzung zwischsen Dracula und einem großohrigen Auerhahn. "Hilfe!" wird Beatrice später auf der Damentoilette ihrer Freundin Simone simsen, "ich bin einem paläontologischen Zombie begegnet!" Simone zurück: "Du armes Mäuschen, kann ich mir gut vorstellen: ein Zombie und ein Schmetterling!"...
Montag, 24. September 2012
Die Kandidaten, Fortsetzung
...Drittens: Der Geologe preist sich als zierlich und gut erhalten an, zudem scheint er polyglott zu sein. Ein Köder, der sich als wenig substanziell erweisen wird. Abermals die Mainmetropole, die Anonymität der Großstadt, die gleichzeitig einen Menschen schluckt und Persönlichkeiten gebiert, Beatrice liebt es, sich vom Strom der Passanten und Flaneure treiben zu lassen, sie hebt sich ab vom Mainstream, das spiegelt ihr die Vielfalt der Blicke wider, der kurzen, hastigen, sehnsüchtigen, überraschten. Sie trägt einen langen, schwarz-bunten Sommerrock, auf den Blumen diagonal gestreut sind, hohe Sandalen und ein körperbetontes, schwarzes T-shirt, nicht irgend eines, das beste, das sie besitzt, das schmeichelhafteste, das die Körperlinien betont, sich diesem Körper anschmiegt, als wollte es nie mehr von ihr weichen, dieses weiche, elastische Kleidungsstück, das ihren Oberkörper sanft, aber nachdrücklich modelliert. Sie schlendert, schwebt fast, fast könnte man meinen, sie tänzelt im hellen Nachmittagslicht. Ertönt eine Musik in der Fußgängerzone, so fangen ihre Hüften fast unmerkllich an sich zu bewegen, in Erwartung kommender Highlights. Das Nicht-wissen-können, Nicht-erahnen-können nahender Ereignisse birgt einen eigentümlichen Reiz in sich, denn in der Überraschung entfaltet das Mögliche seinen poetischen Reiz.
Die Überraschung steuert geradewegs auf das kleine Café zu,...
Die Überraschung steuert geradewegs auf das kleine Café zu,...
Donnerstag, 20. September 2012
Die Kandidaten
Hier werden nun die Kandidaten aus dem "Männermuseum" vorgestellt:
Fortsetzung aus dem Roman "Der parzellierte Mann":
...Erstens: Den Kunsthändler und Antiquar, der, nebst unverrückbarer Gattin, eine Gespielin zwecks Libidoauffrischung sich wünscht, den Kunsthändler mäht jedoch eine urplötzliche Darminfektion nieder, so dass dieser Termin., beziehungsweise, dieser Kandidat ersatzlos gestrichen werden muss.
Zweitens: Der Unternehmensberater, der sein optisches Alter von 54 auf 44 herunterdrückte und sich dabei einer gnadenlosen Selbstüberschätzung schuldig machte, der absichtsvoll gediegene Mittfünfziger entpuppt sich als männliche Glucke (drei Kinder, "die noch sehr zu ihrem Vater halten" und dezidierte Sportkanonen sind) und als temporär mittellos, da man ihn just vor dem ersten galanten Treffen seiner Brieftasche beraubt hat. Peinliche Entgleisung oder wohl kalkulierter Rückzug, falls die Dame aus der Anzeige sich als Flop erweist, und man somit wenigstens keine Ausgaben hätte? "Sie können sich nicht vorstellen, was ich schon alles erlebt habe: Damen, die sich als schlank und attraktiv ausgaben und hinter denen wir zwei uns hätten verstecken können!" Was habe ich mit seinen schlechten Erfahrungen zu schaffen? fragt sich Beatrice, und im Geiste streicht sie diesen eingefleischten Langweiler bereits von der Liste, da dieser vorwiegend zwei Themen auf seiner Klaviatur angebotener Sujets beherrscht: sich selbst und seine Kinder.
Fortsetzung aus dem Roman "Der parzellierte Mann":
...Erstens: Den Kunsthändler und Antiquar, der, nebst unverrückbarer Gattin, eine Gespielin zwecks Libidoauffrischung sich wünscht, den Kunsthändler mäht jedoch eine urplötzliche Darminfektion nieder, so dass dieser Termin., beziehungsweise, dieser Kandidat ersatzlos gestrichen werden muss.
Zweitens: Der Unternehmensberater, der sein optisches Alter von 54 auf 44 herunterdrückte und sich dabei einer gnadenlosen Selbstüberschätzung schuldig machte, der absichtsvoll gediegene Mittfünfziger entpuppt sich als männliche Glucke (drei Kinder, "die noch sehr zu ihrem Vater halten" und dezidierte Sportkanonen sind) und als temporär mittellos, da man ihn just vor dem ersten galanten Treffen seiner Brieftasche beraubt hat. Peinliche Entgleisung oder wohl kalkulierter Rückzug, falls die Dame aus der Anzeige sich als Flop erweist, und man somit wenigstens keine Ausgaben hätte? "Sie können sich nicht vorstellen, was ich schon alles erlebt habe: Damen, die sich als schlank und attraktiv ausgaben und hinter denen wir zwei uns hätten verstecken können!" Was habe ich mit seinen schlechten Erfahrungen zu schaffen? fragt sich Beatrice, und im Geiste streicht sie diesen eingefleischten Langweiler bereits von der Liste, da dieser vorwiegend zwei Themen auf seiner Klaviatur angebotener Sujets beherrscht: sich selbst und seine Kinder.
Donnerstag, 13. September 2012
Qualitätsmerkmale eines Liebesromans
Was zeichnet einen guten Liebesroman aus? Große Geister haben mal behauptet, nichts wäre so schwer zu schreiben wie ein solcher, und über glückliche Liebe zu schreiben wäre nahezu unmöglich, da Euphorie ja Reflexion ausschließt. Sollte ein Liebesroman von einer erträglichen Leichtigkeit getragen sein? Davon gibt es ja soviele, heitere, zum Schmunzeln animierende ausgewalzte Glossen, liebenswert und von vorrübergehender Dauer, sie berühren unsere Sinne, nicht unseren Geist und hinterlassen kaum Spuren.
Es bleibt also die Frage, was den guten Liebesroman ausmacht, den literarischen, der sich dem Charakter der Eintagsfliege verweigert. Vielleicht habt Ihr Ideen...
Es bleibt also die Frage, was den guten Liebesroman ausmacht, den literarischen, der sich dem Charakter der Eintagsfliege verweigert. Vielleicht habt Ihr Ideen...
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