Donnerstag, 5. Januar 2012

"Der parzellierte Mann", Fortsetzung des letzten Post (S, 55f.)

...Sie wundert sich über seine Vorsicht, über das langsame Vortasten, über das Abtasten des richtigen Rhythmus, als gelte es eine junge Frau einzuführen in die Wonnen eines neu erdachten physischen Genusses. Keine Inbesitznahme, keine Eroberung, vielmehr ein mit unendlicher Zartheit ausgeführeter Initiationsritus. Wogende Bewegungen, sie schließt die Augen und wähnt sich, Moses gleich, in einem schaukelnden Bastkorb auf einem ruhig dahin gleitenden Fluss. Er ist der Fluss und die tragende Kraft zugleich. Beatrice hält die Augen geschlossen und sieht grünblaue Pflanzen, dämmerfarbenes Gewässer, mattsilbriges Schilf, wiegendes, wogendes Schilfrohr. Plötzlich durchbricht morgendlicher Sonnenschein den sich ergebenden Himmel und ergießt sich warm, weich, wohltuend über die Dämmrigkeit, über das Verborgene und Heimliche und macht es heimelig. Ihr entfährt ein Seufzer wonniger Erleichterung. Er schmunzelt, küsst ihr ihr bei geschlossenen Lidern erwiderndes Lächeln weg, er schmunzelt und wundert sich ein wenig über diesen kleinen Höhepunkt, wie er sich noch über weitere Höhepunkte wundern wird.
Sie liegen noch eine Weile in ermatteter Umarmung, als wollten sie den Nachgeschmack einr solchen erste Vereinigung etwas auskosten...

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