Donnerstag, 2. August 2012

Rache der Entliebten

...Dann wird die Kneipe aufgesucht, in der alles seinen Anfang. Sie ist fast leer zu so später Stunde. Alles Leben, alle rustikale Fröhlichkeit, all der volkstümliche Lärm scheinen aus ihr gewichen zu sein, aus ihr herausgefegt worden zu sein, um ein bescheidenes Gehäuse zu offenbaren, eine Lokalität, die nur zu bestimmten Zeiten gewillt ist, den Ansturm belustigungseifriger, alkoholdarbender und redseliger Freitzeitler aufzunehmen. Dann erstirbt diese zu einer Kulilsse, zur Staffage einer Kleinstadtinszenierung. Beatrice nimmt´s gelassen, feiert den Abschied von einer kurzen Episode in ihrem an Ereignissen nicht armen Leben, nimmt noch einmal die harmlosen Butzenscheiben in Augenschein, die drolligen, Blumen geschmückten Keramiklampen, die schweren geschwungenen Holzbänke, die fransingen Tischdecken, die herzförmigen Gucklöcher in den Stuhllehnen, den schweren, mit einer Kupferplatte abschließenden Tresen, ernste Demarkationslinie zwischen den Wirten und den Bewirteten, die schmiedeeisernen Stäbe, die sich zwischen den  einzelnen Bank-Tisch-Abteilen hochranken, bis zur Decke hochzwirbeln, dem Ganzen etwas Pseudo-Filigranes verleihend, das zwischen schmutzigem Beige und verblichenem Braun unentschiedene Tapetenmuster sowie die niedrige Raumhöhe. Dies alles nimmt sie noch einmal wahr, halb wohlwollend, halb belustigt, ohne die Spur einer Resignation, nachdem man sich zur endgültigen und nachträglich begrüßten Ruptur durchgerungen hatte, all dies wird letztmalig registriert und gespeichert. ...
Dann: Kneipe Kneipe sein lassen, mit all ihren miefig-triefigen Attributen , in ihrem Fünfziger Jahre-Odem ruhen gelassen, ihre scheinbare Unrenovierbarkeit nicht mehr beanstandet, das Ganze als museal abgefertigt.

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