Donnerstag, 15. März 2012

Aus dem Kapitel "Motels" aus "Der parzellierte Mann"

Motels kannte Beatrice von Reisen in die Vereinigten Staaten her. Motels sind etwas für eilige Durchreisende, für Menschen , denen der Weg niemals Ziel ist, die keine Reiseromantik kennen, die sich schnellstens und billig von einem Punkt zum nächsten fortbewegen, linear, nicht konzentrisch ums eigene Wohl bemüht. Motels sind der Inbegriff der Entpersönlichung des Reisens.Nicht umsonst geschehen in solchen zwielichtigen Etablissements Morde, Entführungen und andere Verbrechen, bestrebt, Persönlichkeiten und Identitätsmerkmale zu annullieren. Motelzimmer kommen glänzend ohne Bilder oder ähnlichen Wandschmuck aus, ohne Blumenarrangements, ausgesuchte Tapeten oder ausgefallenes Mobiliar. Motelzimmer heißen nicht willkommen mit kleinen Gastgeschenken oder flimmerdem Bildschirm und sie verabschieden auch nicht den zufreiden zu stellenden Gast, denn Motels sind auf raschen Durchlauf aus, sie sind schnellebig und transitorisch wie die ganze moderne Gesellschaft, die exklusive Nischen - wie Wellness, Esoterik oder exotischen Luxus - braucht, um inne zu halten. Wahrscheinlich ist ein Motel in Cincinatti, Ohio, nicht von seinem europäischsen Äquivalent in Bremerhaven oder Fürstenfeldbruck zu unterscheiden. Man parkt sein Auto unterm Schalfzimmerfenster, so wie man früher sein Pferd vorm Saloon abstellte,  und betritt dieses fast unwirtlich anmutende "Sleep in", in der Absicht, die nicht zu vermeidende, aber doch so unerlässliche Nacht hinter sich zu bringen....

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